Mutterkuhkälber 10.Sept. 12 002 Kopie

Mutterkuhhaltung

Am 1. September 2013 wurden in der Schweiz die Vorschriften bezüglich Tierhaltung und artgerechte Fütterung verschärft. Mastkälber müssen jetzt Zugang zu Frischem Wasser und Heu bekommen. Diese Massnahmen wirkten sich direkt auf die Farbe des Kalbfleisches aus. Soviel vorneweg: weisses Kalbfleisch, das seit geraumer Zeit als etwas edles galt, war bei weitem nicht so edel, wie sein Ruf. 

Mutterkuh 6. Juni 12
Die natürliche Bindung zwischen Mutterkuh und Kalb

 

Seit dem Beginn der Kalbfleischproduktion vor rund 70 Jahren wurde dieses Qualitätsmerkmal, das in Wahrheit gar keines ist, den Konsumenten immer wieder eingetrichtert. Tatsächlich hat sich dies bis heute halten können, bröckelt jetzt aber dahin. Jeder Landwirt, der etwas von seinem Fach versteht, wird Ihnen bestätigen, dass die Produktion von weissem Kalbfleisch gegen die Natur ging. Es basierte auf einer mangelnden Zufuhr von Eisen, was die Blutbildung und als Folge davon den Sauerstofftransport im Körper des Tieres einschränkte. Das Immunsystem der Tiere litt.

Desweiteren müssen für die Einstallung Tränkkälber (das sind die jungen Kälbchen, die 3-4 Wochen alt und ungefähr 70 kg schwer sind) aus vielen verschiedenen Höfen zusammengekauft werden. Die Fülle an Bakterien, die da zusammenkommen, breiten sich rasch aus. Ein Zustand, der einen Einsatz von Antibiotika in manchen Fällen fast erzwingt. Das ist allerdings von der (fatalen) präventiven Anwendung des Antibiotikums, wie es in der EU üblich ist, immer noch stark zu differenzieren.

Mutterkuhkälber 10.Sept. 12 002 Kopie
Mutterkuh, die nebst dem eigenen Kalb, noch drei weitere, „fremde“ Kälber beim Trinken toleriert

 

Was bedeutet das für den Konsumenten?

Antibiotika an sich sind nicht gefährlich. Kommen aber die Billionen von Bakterien in einem Organismus mit Antibiotika in Kontakt, gibt es meist einzelne, die resistent sind. Alle empfindlichen Keime sterben ab, es überleben nur die resistenten. Diese können sich dann ungehindert vermehren und ihre Resistenz- Gene auch an andere Bakterien weitergeben. Dadurch werden auch gefährliche Krankheitserreger gegen Antibiotika unempfindlich und die Medikamente verlieren ihre Wirkung, wenn sie zur Behandlung von Infektionen gebraucht würden. Unter normalen Umständen ist dieser Zustand für den gesunden Konsumenten nicht bedenklich. Problematisch wird es dann, wenn bei diesem Menschen Antibiotika eingesetzt werden muss. Die EU- Gesundheitskommission spricht bereits von vielen Fällen, wo Patienten auf den Einsatz von Antibiotika kaum mehr ansprechen.

Mutterkuh- Haltung

Um diesen unhaltbaren Zustand zu meiden, muss man sich, genau gleich wie in vielen anderen Situationen auch, die Natur wieder einmal etwas genauer ansehen. Bei der natürlichen Bindung von Kuh und Kalb, die die Zeit gemeinsam und zufrieden auf einer Wiese oder wie im Winter unter einem Vordach mit Freilauf verbringen, steht einem natürlichen und qualitativ hochwertigen Frischfleisch nichts mehr im Weg. Der Einsatz von Antibiotika ist mit dieser natürlichen Haltungsmethode weniger erforderlich. Aber hier muss ganz klar gesagt werden: Manchmal muss es halt trotzdem sein. Ich kenne Bauern, die es bei Entzündungen lange ohne Medikation versuchten, bis schliesslich ein Tier verendete… Das kann’s auch nicht sein.

Die Kälber bekommen nebst der Milch ihrer eigenen Mutter und frischem Wasser nur noch Gras oder Heu. Eben Natur pur! Damit wird die natürliche Pansen- (Magen) Entwicklung gefördert und bekommen alle wichtigen Mineralien. Und damit unter Anderem auch Eisen, was dem Fleisch dieser Kälber die natürliche, rötliche Farbe gibt. So gedeihen die Kälber, sind vital und gesund. Aber nicht nur die Jungtiere sind deutlich besser dran als in herkömmlichen Zuständen. Die Gesundheit und Langlebigkeit der Mutterkühe ist gegeben.

Bei diesen Tatsachen erklärt sich von selbst, dass mich für meine Metzgerei nur Kälber interessieren, die ihr Leben lang bei der Mutter waren und naturnah aufwachsen duften. Mein Bruder und Lieferant Simon, hat diese Zusammenhänge, wie viele andere Landwirte ebenfalls erkannt und hat im Jahr 2013 seinen Betrieb auf Mutterkuh- Haltung umgestellt.