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Tierethik

Als Bauernsohn aufgewachsen, hatte ich schon früh einen speziellen Bezug zu den Tieren. Ich sorgte für die Kühe, Munis, Kälber, Schweine, Hühner, Kaninchen, Schafe etc. Ich hatte sogar meine eigene Kuh und meine kleine Schafherde!  Mein Bruder Simon, der heute mein wichtigster Lieferant ist, übernahm den Hof vom Vater, während ich meine Berufslehre als Metzger absolvierte. 

 Die Tiere verstehen uns besser, als wir glauben!

Aufgrund meiner Vorgeschichte und der Verbundenheit zu den Tieren werden Sie sich jetzt fragen, wieso ich diesen Beruf gewählt habe. Mein höheres Selbst hat wohl ganze Arbeit geleistet. Dank meiner Ausbildung bin ich soweit, dass ich die gesamte Kette sehr gut kenne, von der Geburt der Tiere über die Haltung, Aufzucht, Fütterung, Pflege, bis hin zum Transport in den Schlachthof, wo es weitergeht über die Schlachtung, Zerlegung, Produktion, Verpackung und Verkauf.

Auf der einen Seite war mir klar, dass wir Menschen dazu berechtigt sind, uns von den Tieren zu ernähren. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes in Stein gemeisselt, wie beispielsweise Malereien in der Höhle von Lascaux oder diverse Speer- und Pfeilspitzen in der Nähe von zertrümmerten Tierknochen aus Ausgrabungen beweisen. Auf der anderen Seite stimmt es mich nachdenklich, wie wenig Beachtung in der heutigen Zeit dem Lebewesen, das später zu Lebensmitteln verarbeitet wird, geschenkt wird. Es gibt aber in unserer Region Landwirte, die Wert darauf legen, dass die Tiere ein angenehmes Leben haben.

Es versteht sich, dass nur solche Bauern für mich als Lieferanten in Frage kommen. Ich stehe in ständigem Kontakt mit den Bauern und erneuere mir immer wieder mein Bild davon, wie es in den Ställen zu und her geht. Wenn ich es mir irgendwie einrichten kann, gehe ich beim Bauern vorbei und schaue mir meine nächsten Tiere an.

Die Vorbereitung auf die Schlachtung

Die Tiere wissen genau, was abläuft. Auch wenn wir Menschen glauben, dass die Tiere nur, weil sie mit uns nicht wörtlich kommunizieren können, gefühls- und ahnungslose Kreaturen sind. Aber weit gefehlt! Man braucht kein Prophet zu sein, um zu merken, ob sich ein Landwirt für seine Tiere Zeit genommen hat, oder eben nicht. Er braucht nur das Tor seines Anhängers zu öffnen. Jeder Schlachter kann Ihnen bestätigen, dass die Tiere von einigen, bestimmten Landwirten sehr zutraulich sind. Dann gibt es aber auch Bauern, die praktisch immer nervöse oder unruhige Tiere zur Schlachtung bringen. Das ist ein kleiner Teil der Erfahrungen und Feststellungen, die ich in 15 Jahren Berufsalltag machen konnte.

Durch angenehmes Zureden können die Tiere auch auf die Schlachtung vorbereitet werden. Vorteilhaft ist natürlich, wenn der Bauer mit seinen Tieren immer in Kontakt steht und den Tieren halt hin und wieder die Wahrheit sagt. Durch  diese Art und Weise der Vorbereitung sind die Tiere von sich aus bereit, ohne sich beim Ein- und Aussteigen des Viehanhängers zu wehren, ihren Körper herzugeben.